Nach 15 Jahren am Ziel: Bad Ems vollendet den Weg zum Deutschen Meister
Herren 40 bezwingen Ratingen nach dramatischem Finale - 450 Zuschauer erleben auf der Silberau ein Tennisfest
Ein kurzer Cross hinters Netz, dann gab es auf der Silberau kein Halten mehr. Alexander Waske und sein Doppelpartner Jaroslav Pospisil verwandelten den Matchball zum entscheidenden fünften Punkt. Sekunden später stürmten alle Teamkollegen auf den Platz. Im vierten Final Four in Folge hatte es der TC Blau-Weiß Bad Ems geschafft: Nach Platz drei 2023 und zwei Vizemeisterschaften 2024 und 2025 sind die Herren 40 nun erstmals Deutscher Mannschaftsmeister.
Nach dem souveränen 9:0 im Halbfinale gegen MTTC Iphitos München wartete im Endspiel mit dem Ratinger TC Grün-Weiß genau jener Gegner, gegen den Bad Ems die beiden
vergangenen Finals verloren hatte. Sportwart Patrick Friedrich hatte nach dem Halbfinale dennoch einen 5:3-Erfolg prognostiziert - und sollte Recht behalten. Bad Ems holte vier der sechs Einzel, doch
wie eng das 4:2 tatsächlich war, verrät das Ergebnis kaum. Im Spitzeinzel ließ Lukas Rosol seinem serbischen Kontrahenten Ivan Bjelica beim 6:1, 6:2 kaum eine Chance. Denis Gremelmayr behielt in
einem hart umkämpften Match gegen Raphael Ozelli mit 6:4, 7:6 die Nerven. Pablo Andujar-Alba und Thomas Burgemeister musste sich dagegen geschlagen geben.
Die dramatischen Schlüsselpartien lieferten Jaroslav Pospisil und Carlos Berlocq. Pospisil lag gegen den Österreicher Marco Mirnegg bereits mit Satz und Break zurück, kämpfte sich aber in einem
dreieinhalbstündigen Marathon zurück und entschied den Champions-Tiebreak mit 10:7 für sich.
Auch Berlocqs Partie schien zu kippen. Als der für Bad Ems spielende Argentinier bereits mit 6:7 2:5 gegen Björn Phau zurücklag, rückte ein 3:3 nach den Einzeln bedrohlich nahe. Julian Mädrich, der
den Finaltag kenntnisreich moderierte, spürte offenbar, dass Carlos noch einmal zurückkommen konnte, und animierte die Zuschauer über das Mikrofon zur lautstarken Unterstützung: „Helft Carlos, er
will es noch!“ Und Carlos wollte: Angetrieben von der Kulisse drehte Berlocq die bereits verloren geglaubte Partie und machte das enorm wichtige 4:2 für Bad Ems perfekt.
Genau darin lag der Unterschied zum Vorjahr. 2025 waren es noch die Ratinger gewesen, die die engen Partien auf ihre Seite gezogen hatten. Diesmal gingen die Big Points in den knappen Matches an Bad
Ems. Sicherlich trug auch die Heimkulisse ihren Teil am Erfolg bei, denn die 450 Zuschauer sorgten gerade in den kritischen Phasen für einen außergewöhnlichen Rückenwind.
In den drei abschließenden Doppeln zeichnete sich schnell ab, dass Bad Ems in zwei Begegnungen klar auf Siegkurs lag. Die Entscheidung ließ daher nicht lange auf sich warten: Waske/Pospisil
verwandelten ihren ersten Matchball und sicherten mit dem fünften Punkt die Deutsche Meisterschaft für Bad Ems.
Von der Verbandsliga bis zum Deutschen Meister
Der Titel ist der vorläufige Höhepunkt eines Projekts, das vor rund 15 Jahren in der 4. Liga begann. Markus Henkel baute die Mannschaft kontinuierlich auf und führte sie Schritt für Schritt an die
deutsche Spitze. Hochklassiger Sport auf diesem Niveau ist nach Einschätzung von Sportwart Patrick Friedrich nicht allein mit einheimischen Spielern zu erreichen. Dafür braucht es internationale
Klasse - sowie die Kontakte, Organisation und eine finanzielle Basis, die Henkel über Jahre geschaffen hat.
Finanziell steht die Herren-40-Mannschaft auf eigenen Beinen. Wie bei den anderen Seniorenmannschaften kann der Verein ein solches Projekt nicht aus seinem Haushalt finanzieren. Private Sponsoren,
allen voran Henkel, ermöglichen diesen sportlichen Aufwand; der TC Blau-Weiß hilft dort, wo er kann - vor allem organisatorisch und mit tatkräftiger Unterstützung. Zur klaren Vereinsphilosophie
gehört in Bad Ems, dass die Nachwuchs- und Vereinsarbeit nicht durch finanzielle Mannschaftsbezuschussung beeinträchtigt werden darf.
Welches Niveau inzwischen bei den Herren-40 in Bad Ems erreicht ist, zeigt die komplette Meldeliste: Dort stehen 13 ehemalige Profis, die zeitweise zu den Top 50 der Weltrangliste gehörten. Laut
Friedrich kommen die gemeldeten Spieler zusammen auf mehr als 100 Millionen US-Dollar Karriere-Preisgeld.
Gerade am Final-4-Wochenende war zu spüren, dass im Emser Team mehr entstanden ist als eine Ansammlung großer Namen: Die Spieler kennen sich seit Jahren und nehmen teils weite Anreisen auf sich, sie
fiebern miteinander und verbringen sichtbar gerne gemeinsame Zeit im Team.
450 Zuschauer, 70 Helfer - und viel Anerkennung
Den passenden Rahmen lieferte die Silberau. Bei bestem Tenniswetter kamen am Finalsonntag rund 450 Zuschauer – „so voll war die Anlage seit Jahren nicht mehr“, stellte TC-Pressewart Mike Hewel fest.
Rund 70 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus dem Verein sorgten über das Wochenende dafür, dass auch abseits der Courts alles reibungslos funktionierte. Besonders viel Anerkennung erhielten dabei
auch die Ballkinder.
Bei der Siegerehrung war es Ulrich Klaus, Präsident des Tennisverbandes Rheinland, und dem Mainzer Jan Hanelt, Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes, die Freude anzumerken, dass der Titel nach
den beiden Ratinger Erfolgen diesmal nach Rheinland-Pfalz ging. Ex-Davis-Cup Spieler Alexander Waske würdigte besonders das große Engagement der Familie Henkel, während Mannschaftsmacher Markus
Henkel angesichts des erreichten Ziels selbst nahezu sprachlos blieb.
Waske hob zugleich die Fairness des Ratinger TC hervor. Trotz aller Rivalität habe sich Ratingen stets als sportlicher und sympathischer Gegner präsentiert - auch in der Niederlage. Ebenso wurden
München und Jade TG Wilhelmshaven gewürdigt, die als Meister ihrer Regionalligen bereits eine starke Saison gespielt hatten; im Spiel um Platz drei setzte sich München durch.
Nach der Siegerehrung richtete sich der Blick bereits auf 2027. Ratingen kündigte den nächsten Angriff an. Bad Ems hat ein ebenso klares Ziel ausgesprochen: die Titelverteidigung.
Bad Ems bleibt makellos – Traumstart in die Regionalliga
Die Herren des TC Blau-Weiß Bad Ems bleiben in der Regionalliga Südwest weiter auf Erfolgskurs. Nach dem Auftaktsieg gegen den Zweitliga-Absteiger TV Reutlingen feierte das Team am Doppelspieltag zwei weitere Erfolge. Dem souveränen 7:2-Auswärtssieg beim TEC Waldau ließ die Mannschaft einen 6:3-Heimerfolg gegen den badischen TC BW Oberweier folgen und führt die Tabelle damit nach drei Spieltagen mit 6:0 Punkten an.
Vor rund 250 Zuschauern auf der Insel Silberau legten die Bad Emser bereits in den Einzeln den Grundstein zum Sieg. Wie schon am Vortag in Waldau stand es nach den sechs Einzeln 5:1, sodass die Doppel lediglich noch Ergebniskosmetik bedeuteten.
Verzichten musste das Team weiterhin auf den verletzten Spanier John Echeverria. Für ihn rückte Landsmann Sergi Perez Contri in die Mannschaft. Gemeinsam mit dem Inder Aryan Shah und dem Briten Anton Matusevich bildete er die internationale Spitze des Teams. Komplettiert wurde die Mannschaft von den deutschen Spielern Tristan Reiff, Jonathan Dazert, Julian Franzmann, Georg Eduard Israelan und Christian Henkel.
Mit drei Siegen aus drei Begegnungen ist der Saisonstart perfekt gelungen. Am kommenden Wochenende stehen für die Blau-Weißen erneut zwei Partien auf dem Programm. Zunächst geht es am Samstag zum Auswärtsspiel nach Rüsselsheim, ehe am Sonntag der TZ DJK Sulzbachtal auf der Insel Silberau gastiert.
Die Regionalliga präsentiert sich auch in dieser Saison äußerst ausgeglichen. Schon ein vierter Saisonsieg könnte den angestrebten Klassenerhalt nahezu sichern. Gleichzeitig wächst in Bad Ems die Hoffnung auf mehr: Sollte auch der Tabellenrivale TC Bergen-Enkheim seine weiße Weste behalten, könnte das letzte Heimspiel der Saison zum direkten Duell um den Aufstieg in die 2. Bundesliga werden. Bis dahin darf in Bad Ems weiter geträumt werden...